RSS-Feed anzeigen

Stefans Blog

Augen der Großstadt

Bewerten

Eins meiner ersten Gedichte die ich lernen musste:


Wenn du zur Arbeit gehst
am frühen Morgen,
wenn du am Bahnhof stehst
mit deinen Sorgen:
da zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Millionen Gesichter:
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? vielleicht dein Lebensglück...
vorbei, verweht, nie wieder.
Du gehst dein Leben lang
auf tausend Straßen;
du siehst auf deinem Gang, die
dich vergaßen.
Ein Auge winkt,
die Seele klingt;
du hast's gefunden,
nur für Sekunden...
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? Kein Mensch dreht die Zeit zurück...
Vorbei, verweht, nie wieder.
Du mußt auf deinem Gang
durch Städte wandern;
siehst einen Pulsschlag lang
den fremden Andern.
Es kann ein Feind sein,
es kann ein Freund sein,
es kann im Kampfe dein
Genosse sein.
Er sieht hinüber
und zieht vorüber ...
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das?
Von der großen Menschheit ein Stück!
Vorbei, verweht, nie wieder.




Kurt Tucholsky




"Augen der Großstadt" bei Twitter speichern "Augen der Großstadt" bei Facebook speichern "Augen der Großstadt" bei Mister Wong speichern "Augen der Großstadt" bei Google speichern

Aktualisiert: 23. 01. 10 um 09:41 von Stefan Burger

Kategorien
Kategorielos

Kommentare

  1. Avatar von Reinhard_DT
    Stefan, hast Du hier die Schrift extra schwarz formatiert? Bei green-black läßt sich das nur mit einem kleinen Trick lesen.
  2. Avatar von Stefan Burger
    nicht wirklich ... war (noch) mit rot unterwegs

Trackbacks